Sonntag, 24. Oktober 2010

Über den Wolken....

...oder mittendrin. Aber dazu später mehr. Wir wollen das Ganze ja nicht von hinten aufrollen.
Zuerst: Party beim Botschafter.
Nachdem wir den ganzen Tag durch die Mall gelaufen waren, hat Jule endlich ein kleines Schwarzes fürden Empfang beim Botschafter gefunden.
Jule also im kleinen Schwarzen und ich im kleinen Blauen, sind wir am Dienstagabend ins Hotel Panama gefahren. Im ungefähr klapprigsten Taxi, was man finden konnte, kamen wir dann auch an dem 5 Sterne Hotel an, während sonst sämtliche Gäste in dicken schwarzen Karren und in Abendkleidern und Anzug angefahren kamen. Da fühlten wir vier uns (die Jungs in Jeans und Turnschuhen, aber mit Hemd), doch ein wenig fehl am Platze. Aber gesagt, getan - ab nach oben in den 9 Stock und erstmal 10 Hände geschüttelt, von denen wir ca. 2 schon mal gesehen hatten.
Nachdem wir das gemeistert hatten, sind wir erstmal fix nen guten deutschen Sekt trinken gegangen und die Jungs nen Paulaner.
Wie erhofft gab es am Buffett deutsches Essen: Schnitzel, Sauerkraut, Kartoffelgratin und Apfelstrudel zum Nachtisch.
Da die Feier von 8 bis 10 gehen sollte, sind wir dann um 12 auch mal gegangen, nachdem wir uns noch gut mit der Frau vom Botschafter unterhalten haben.
Am nächsten Tag haben wir den Botschafter dann noch bei sich Zuhause in seinem riesigen Penthouse im 13 Stock besucht. Wenn man da vom Balkon gesprungen wäre, hätte man direkt ein Bad im Pazifik genommen.
Zurück in Santiago sind Jule und ich dann in die Arbeit im Honighaus eingewiesen worden und arbeiten dort jetzt immer zwischendurch. Diese Arbeit besteht daraus Schnapsflaschen zu waschen, die Etiketten zu entfernen, das ganze trocknen zu lassen, und dann Honig darin abzufüllen, neue Etiketten wieder aufzukleben, Flaschen luftdicht zu verschliessen und dann ab in Kartons und ins Lager.
Die Woche drauf sind Jule und ich dann in eine Schule in die Berge "gefahren". Leider konnten wir nur bis zu einer bestimmten Stelle, an der uns ein Fluss den Weg versperrt hat. Aber kein Hindernis für uns. An der Hand irgendwelcher hilfsbereiten Männer haben wir den Fluss einfach zu Fuss durchquert und auf dem Stück danach noch 7 weitere. Mit uns ist auch ein Pärchen gelaufen, dessen Frau im neunten Monat schwanger war. Jule und ich hatten auch ein wenig Angst um sie und haben ihr immer wieder unser Wasser gegeben, weil wir uns nicht vorstellen können, dass es so gesund ist zwei Stunden in der Mittagssonne durch die Berge zu spazieren, während jeden Moment die Wehen einsetzen könnten. Aber sie hats geschafft.
An der Schule angekommen, wurde wir sehr herzlich von den zwei Lehrerinnen, die dort unterrichten und wohnen aufgenommen. Als wir am Abend dann unsere Isomatten und Schlafsäcke rausholten, hatten wir sofort eine Traube neugieriger Kinder um uns herum, die wissen wollten, was das denn wohl für komische Sachen waren. Also haben wir ihnen spontan vorgemacht, wie man in so einem Schlafsack schläft und wie bequem Isomatten sein können.
An der Schule haben wir am nächsten Tag dann einen Weg vom Schulgebäude zu den Toiletten fertiggestellt, damit die Kinder, wenn sie auf die Toilette gehen, nicht immer so viel Dreck ins Klassenzimmer tragen. Wir durften allerdings nicht viel tun, denn es waren genügend Männer aus dem Dorf da, um zu helfen. Am nächsten Tag waren dann noch mehr Männer da, weshalb Jule und ich dann mit den Kindern geknetet und gepuzzelt haben.
Als wir dann zurückgefahren sind nach Santiago, konnten wir durch die Autofenster die Wolken anfassen - irgendwie klebrig.
Aber Wolken sollten wir in der Woche danach, also vom 19.-22. noch genügend zu fassen bekommen. Wir haben uns nämlich noch weiter in die Berge gewagt, an einen Ort, namens Agua de Salud (Wasser der Gesundheit), an dem es Quellen gibt, die fast kochend heisses Wasser ausspucken. Auch hier konnten wir nur bis zu einer bestimmten Stelle mit dem Auto fahren, bzw. Jule und ich, wären mit dem Auto da nicht hingekommen, aber Raffa, von CEPAS hatte keine Skrupel auch mal eine fast Senkrechte Strasse hochzufahren oder das Auto durch die tiefsten Schlammlöcher zu manövrieren.
Vom dem Berg auf dem wir dann Halt gemacht haben, mussten wir 2 Stunden zu Fuss ins Tal hinab"klettern", was ganz schön anstrengend war. Aber die Landschaft ist so wunderschön, dass es auf de ganzen Weg viel zu gucken und entdecken gibt - wie zum Beispiel die Wolken, die auf gleicher Höhe mit einem dahinschweben oder zu den Füssen zwischen den Gipfel der kleineren Berge verschwinden.
In Agua de Salud haben wir dann auch zum ersten Mal in einer Lehmhütte geschlafen, wie es bei der indigenen Bevölkerung hier üblich ist. Wir haben Bambusbetten zur Verfügung gestellt bekommen und durften beim Lehrer, der im einzigen Steinhaus - der Schule - wohnt, kochen.
Wir sollten dann dort beim Bau eines neuen Klassenraums mithelfen. Da aber so viele Leute auf der Baustelle herumgewuselt sind, konnten wir nichts anderes tun, ausser Steine von einem Hügel runter zur Baustelle zu tragen.
Der neue Klassenraum wird hoffentlich schnell fertig, denn momentan ist das ca. 36 Quadratmeter grosse Klassenzimmer, in dem 35 Kinder Platz finden sollen, durch zwei Tafeln geteilt, damit die Lehrer auf der einen Seite schlafen und kochen können. Für die Kinder wird in den Schulen hier übrigens auch jeden Tag gekocht. Sie bekommen morgens eine Suppe, die alle möglichen Vitamine und Mineralien enthält und wirklich sehr sättigend ist, und Mittags Reis mit Bohnen oder eine andere Suppe. Die "Crema", die die Kinder morgens kriegen, ist oft das erste was sie am Tag essen, und das nachdem sie schon ein ordentliches Stück Weg hinter sich haben, um zur Schule zu kommen.
Vom Steine tragen erschöpft haben wir dann am Freitag den Rückweg angetreten. Die Dorfbewohner haben uns wieder geholfen durch den Fluss zu kommen und auf der anderen Seite warteten zwei Pferde, von denen wir annahmen, dass die unseren Rucksäcke tragen würden. ABER falsch gedacht: die Pferde waren dazu da Jule und mich durch die Berge zu tragen anstatt unsere Klamotten. Also sind wir aufgestiegen und nachdem wir auch irgendwann raushatten auf was die Pferde hören und wie wir sie dazu kriegen in die richtige Richtung zu laufen hat es auch richtig Spass gemacht. Auch wenn Jules Pferd zwischendurch seinen eigenen Kopf durchgesetzt hat und dann nach zwei Metern in die falsche Richtung vor nem Stacheldraht stand.
Oben auf dem Berg angekommen, waren die Pferde, die uns schon auf dem Weg recht leid tate, nass geschwitzt und durften nach einer kleinen Verschnaufspause, in der wir auf das Auto von CEPAS gewartet haben, wieder den Berg runterkraxeln.
Nach dieser Woche waren wir dann auch ganz schön matt und ruhen uns jetzt am Wochenende ordentlich aus.
Mit dem Herd sind wir noch nicht weiter, Mariechen. Aber wir werden uns jetzt mal irgendwann drum kümmern. Hoffe ich. Ansonsten wissen wir noch nicht was die nächsten Wochen bringen sollen, ausser dass wir den grossen Bottich Honig, der noch im Honighaus steht, leeren sollen. Das wird wohl unsere Aufgabe für die nächste Woche sein.

Viele liebe Grüsse aus dem warmen Panama ins herbstliche Deutschland (und auch sonst überall in die Welt, wo Leute unseren Blog lesen)
Jule und Luise

7 Kommentare:

  1. Gebt den Pferden mal was zu essen, die sehen nicht gerade fresh aus...

    5 Sterne Hotel hört sich gut an. ich hoffe es war ein internationaler Standart. Habt ihr weiterhin Kontakt zu dem Potschafter?

    Grüße aus Norwegen

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  2. Juhu - Dankeschön - hat mir den Morgen versüßt. immer weider spannend von euch zu hören :D

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  3. Ach übrings war Jojos Hochzeit der HA(Doppel)MER. Ein richtig kewle Party :D Nur du hast gefehlt.

    Fridolin will dich auch kennenlernen. Er ist schon ganz neugierig :D

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  4. Hi, Hi!

    Ihr erlebt ja Sachen!!

    Sehr gut.

    Beste Grüße Konsti

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  5. ach übrigens die Party beim Botschafter war um den 3. Oktober zu feiern. Hab ich vergessen zu erwähnen. Schön, dass ihr alle fleissig lest. Das freut uns!

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  6. ICH BIN TANTE!!! :):):)
    liebste grüße von regina nach panama :)

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  7. ach, die karte ist heute angekommen :D hat nen ganzen monat gebraucht xD

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